Die inter- und transdisziplinäre Konferenz Krisendialektik und radikale Imagination am 21. und 22. September Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) in Wien bringt Ansätze aus Psychoanalyse, Kulturtheorie, Kritischer Theorie, Politischer Philosophie und Politischer Theorie miteinander ins Gespräch. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung ästhetischer Kritik und radikaler Imagination in einer Gegenwart, die nicht nur von tiefgreifenden gesellschaftlichen Transformationen und multiplen Krisenerfahrungen, sondern auch von weltweit zunehmenden autoritären Tendenzen und drohenden Faschisierungsprozessen geprägt ist.
Ausgangspunkt der Veranstaltung ist die Überlegung, dass die autoritär-populistische Krise der Demokratie zugleich als Krise der Kritik und der progressiven Imagination verstanden werden kann, die mit einer zunehmenden politischen und sozialen Verrohung etwa im Kontext eines apokalyptischen Populismus einhergeht. Die seit Längerem diskutierten autoritären Transformationskrisen in Politik und Gesellschaft haben ihre Ursachen also möglicherweise nicht nur im Versagen, nachhaltige Antworten auf die vielfältigen und global verflochtenen Krisen der Gegenwart zu finden. Sie gründen auch in der Schwäche, zukünftige Erfahrungen ästhetisch und semantisch vorwegzunehmen und alternative konkret-utopische Horizonte zu eröffnen.
Möglicherweise ist es also gerade der Mangel an politischer bzw. dialektischer Phantasie, welcher dazu führt, dass es im hegemonialen Mainstream des demokratischen Diskurses nicht gelingt, die konkret-utopischen Dimensionen von politischen Gestaltungsprozessen zu erfassen.
| Vor diesem Hintergrund stehen unter anderem folgende Fragen im Mittelpunkt der Konferenz: |
| • Wie lässt sich das Verhältnis von Politik und Ästhetik begrifflich, konzeptionell sowie gesellschafts- und kulturtheoretisch bestimmen? • Welche Bedeutung kommt politischer Fantasie und radikaler Imagination heute zu? • Unter welchen Voraussetzungen kann Kunst dazu beitragen, Krisenerfahrungen auf nicht-repressive Weise zu sublimieren? • Wie ist das Verhältnis von Kunst und Unbewusstem zu denken? • Inwiefern kann Kunst auf verdrängte oder ideologisch verschleierte Konfliktlagen aufmerksam machen und Prozesse gesellschaftlicher Reflexion anregen? • Welche Rolle können ästhetische Praktiken und kulturelle Ausdrucksformen für gesellschaftliche Transformationen spielen? |
Diskutiert wird dabei, inwiefern Kultur- und Gesellschaftstheorien, die die ästhetische, sprachliche und psychische Dimension von Vergesellschaftung in den Fokus gesellschaftskritischer Reflexion rücken, zur Aufklärung über die Entstehung autoritärer Begehren und Subjektivierungsformen beitragen können. Zugleich soll aus dialektischer Perspektive untersucht werden, inwiefern sie theoretische wie praktische Handlungs- und Gestaltungsperspektiven eröffnen, die geeignet sind, autoritäre Dynamiken in Politik und Gesellschaft sowie die Krise des Politischen in konkret-utopischer und realutopischer Perspektive zu überwinden.
Vor diesem Hintergrund möchten wir der Frage nachgehen, inwiefern die Kunst zur gesellschaftlichen Kritik und Aufklärung beitragen und insbesondere die Normalisierung des Destruktiv-Irrationalen innerhalb der bürgerlichen Mitte sichtbar machen und demaskieren kann.
Dabei beziehen wir uns auf einen erweiterten Kunstbegriff, wie er insbesondere innerhalb der Fluxus-Bewegung entwickelt und von Joseph Beuys vertreten wurde. Von besonderem Interesse ist für uns die Frage, inwiefern ästhetische Perspektiven zum Beispiel der frühen Kritischen Theorie, des Surrealismus oder auch der Psychoanalyse dazu beitragen können, Antworten auf die gegenwärtige populistisch-autoritäre Krise der (neo-)liberalen Demokratie zu entwickeln.
Die Konferenz wird von Prof. Dr. Nadja Meisterhans und Dr. Alexander Neupert-Doppler im Rahmen des DFG-Projekts „Dialektik der Pandemie – Zwischen Autoritarismus und Utopie“ ausgerichtet. Die Konferenz findet am Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK), Berggasse 17/1, 1090 Wien, statt und es gibt auch die Möglichkeit, online teilzunehmen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bei einer Online-Teilnahme bitten wir, sich bei Montana Owens (moowens@karlshochschule.de) bis spätestens zum 20.09. anzumelden.