»Psychoanalyse, Queerness und transdisziplinäre Perspektiven der Kritik. Zum Auftakt einer Forschungskooperation und gesellschaftlichen Diskussion«

Der Antifeminismus und die Desavouierung der in den letzten Jahren politisch und rechtlich durchaus erfolgreichen LGBT-Bewegung hat Konjunktur. Dabei handelt es sich möglicherweise um eine Entwicklung, die geradezu symptomatisch für das ist, was derzeit als autoritäre Krise der (neo)liberalen Demokratie diskutiert wird: Die populistische Entwertung gesellschaftlicher Kritik an bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnissen.

Inwiefern kann die Psychoanalyse neuartige Perspektiven der transdiziplinären Kritik von Macht und Herrschaft eröffnen? Bereits die Frankfurter Schule hatte die Psychoanalyse in transdisziplinärer Perspektive für eine kritisch ausgerichtete Sozialforschung fruchtbar gemacht. Bis heute greift eine Vielzahl gesellschaftskritisch ausgerichteter Theorien auf psychoanalytische Denkfiguren zurück, etwa wenn sie Fragen der Subjektivierung oder auch der Wissensproduktion im Kontext unbewusst normierender und normalisierender Macht problematisieren. Andererseits sind Teile der psychoanalytischen Theorien immer noch stark heteronormativ ausgerichtet und tragen damit zum hegemonialen Denken bei. Dabei scheinen gerade queer-theoretische Überlegungen besonders geeignet, epistemische und normative Gewaltverhältnisse offenzulegen und neue Perspektiven einer emanzipatorisch und gesamtgesellschaftlich ausgerichteten Macht- und Herrschaftskritik zu eröffnen. Psychoanalyse als Kritische Theorie meets Queering Psychoanalysis so lautet der Auftakt einer Debatte, die von den Arbeitsgruppen „Psychoanalyse und Kritik“ der Gesellschaft für psychoanalytische Sozialpsychologie und die Forscher_innengruppe Queering Psychoanalysis initiiert und in Kooperation mit der Society for Women in Philosophy (SWIP)
veranstaltet wird.

Die Veranstaltung hat einen Ausgangspunkt in der Idee, dass Genderstudies, die Queertheory und Psychoanalyse sich gegenseitig inspirieren können und sollten. Queer steht für Durchkreuzen und gerade psychoanalytische Denkweisen, die sich dem Unbewussten widmen, haben ebenfalls den Anspruch, hegemoniale Normierungen aufzubrechen und bisher verdrängte Sichtweisen sichtbar zu machen.

Wir wollen daher Studierende, Forschende und sonstige Interessierte herzlich einladen, mit uns gemeinsam zu diskutieren, auf welcher Grundlage eine psychoanalytische Macht- und Herrschaftskritik, aber auch gegenhegemoniales Denken und Handeln etwa im Kontext sozialer Bewegungen möglich ist! Zugleich dient das Treffen als Auftakt einer offiziellen Forschungskooperation zwischen der Arbeitsgruppe „Psychoanalyse und Kritik“ der „Gesellschaft für Psychoanalytische Sozialpsychologie“ (GfPS) und „Queering Psychoanalysis. Research Group on Bodies and Sexualities“. In beiden Gruppen gibt es starke philosophische Bezüge, was wenig erstaunt, da die Psychoanalyse selbst voller philosophischer Denkmotive ist. Daher freuen wir uns auch die Society for Women in Philosophy (SWIP) zu unserer Diskussion begrüßen zu können.

Aus Organisationsgründen bitten wir bis 07.06.19 um Anmeldung via Mail an: nadja.meisterhans@jku.at
Programm und Lektüre für die Diskussion kann bei Interesse per Anmeldung zugeschickt werden.

Datum/Zeit
Datum: 06.07.2019
Uhrzeit: 12:00–17:30

Veranstaltungsort
Johannes-Kepler-Universität Linz, Raum HFS 332
Linz


06. Juli 2019 von Katharina Meyer