Kritische Theorie – Psychoanalytische Praxis: Autoritarismus

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Autoritäre Fixierung ist zweifellos konstitutiv für rechtsextreme
Einstellungen und rassistische Gewalt. Das bestätigen
viele empirische Befunde. Allerdings bezieht sich
die gegenwärtige Autoritarismus-Forschung kaum mehr auf
die Psychoanalyse. Dabei galt es den Autoren der ersten
kritischen Studie zu „Autorität und Familie“, allen voran
Max Horkheimer, als ausgemacht, dass ohne die „moderne
Tiefenpsychologie“ die Wirkung der Gesellschaft auf die in
ihr lebenden Subjekte nicht gründlich begriffen werden
kann. Wenn Autoritarismus, wie es seit etlichen Jahren
geschieht, ohne diese Tiefendimension gedacht wird, gerät
auch die Tiefenwirkung der Gesellschaft auf die Individuen
aus dem Blick. Diese Wirkung ist heute allerdings nicht mehr
dieselbe wie in der Frühzeit der Kritischen Theorie, wo der
Vater noch die Instanz war, die die autoritären Standards
der Gesellschaft in der Familie durchsetzte. Davon kann
heute nicht mehr die Rede sein. Dennoch gibt es weiterhin
autoritäre Führer, und das Phänomen des Populismus zeigt,
dass der Autoritäre Charakter nicht einfach verschwunden
ist. Er hat sich lediglich verwandelt. Wie aber entsteht er
heutzutage? Gedeiht er womöglich gerade unter permissivneoliberalen
Bedingungen? Gehört zu ihm die Wiederkehr
vorbürgerlicher Stammesstrukturen auf High-Tech-Niveau?
Wie ist eine demokratische Gesellschaft zu verstehen, die
jene autoritäre Dynamik, durch die sie bedroht wird, immer
wieder selbst hervorbringt? Diesen Fragen soll auf der Tagung
mit Rückgriff auf die Standards der Kritischen Theorie
und psychoanalytischem Instrumentarium nachgegangen
werden.

Datum/Zeit
Datum: 27.10.2017–29.10.2017
Uhrzeit: Ganztägig

Veranstaltungsort
Leipzig
04107 Leipzig


27. Oktober 2017 von Vorstand